Handlungsempfehlungen pflegender Eltern von wir pflegen e. V.

Titelbild der Handlungsempfehlungen von wir pflegen e. V.

Pressemitteilung von wir pflegen e. V. vom 5. April 2022 "Für uns und unsere Kinder"

Bundesverband wir pflegen e.V. veröffentlicht Handlungsempfehlungen pflegender Eltern

Weniger Bürokratie, bedarfsgerechte Entlastungsangebote für Familien mit beeinträchtigten Kindern, bessere Informations- und Beratungsstrukturen und den barrierefreien Ausbau von Kitas und Schulen – das fordert der Bundesverband wir pflegen e.V. in den heute vorgestellten Handlungsempfehlungen pflegender Eltern.

Pflegende Eltern sind in vielerlei Hinsicht unsichtbar. Sie werden weder in der Pflege- noch der Familienpolitik ausreichend berücksichtigt. Das System der häuslichen pflegerischen Versorgung ist auf die Seniorenpflege ausgerichtet. Angefangen bei den Beratungsstellen, über Entlastungsangebote bis hin zur Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln. Die Bedarfe pflegender Eltern kommen überall zu kurz, das muss endlich in den Blick benommen werden“, erklärte Sebastian Fischer, Bundesvorstand wir pflegen e. V. auf der digitalen Pressekonferenz. Denn die ohnehin prekäre Situation pflegender Eltern hat sich in der Corona-Pandemie verschärft. Dringend benötigte Unterstützungsleistungen stehen auf dem Pflegemarkt oft nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung. Pflegeverträge werden kurzfristig gekündigt, insbesondere bei beeinträchtigten Kindern mit sehr hohem Pflegeaufwand.

Die Belastungsgrenze der Eltern ist schon lange überschritten. Pflege eines Kindes ist eine Lebensaufgabe Fischer betonte: „Die Pflege eines Kindes ist nicht nur eine Lebensaufgabe, sondern in der Regel eine lebenslange Aufgabe. Damit verbunden entstehen massive und dauerhafte Einschnitte in die finanzielle und persönliche Freiheit der pflegenden Eltern. Parallel zur Pflege ist eine bezahlte Erwerbstätigkeit nahezu unmöglich, nicht zuletzt wegen der fehlenden Betreuungsangebote, des ambulanten Pflegenotstandes und mangelhafter Inklusion an Kitas und Schulen. Armut durch Pflege ist dann vorprogrammiert. Es besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Politik.“

Pflegende Mütter landen gesellschaftlich und wirtschaftlich im Abseits Verena Sophie Niethammer, Leiterin der Selbsthilfegruppe "Teilhabe jetzt!" und erste Vorsitzende der Hölder - Inititative für Kultur und Inklusion e.V. war als pflegende Mutter eines chronisch kranken Sohns (7,5 J.) mit schwerer mehrfach Behinderung maßgeblich an der Erarbeitung der Handlungsempfehlungen beteiligt.

Sie führte aus: „Eltern von Kindern mit Behinderungen sind häufig auf sich allein gestellt. Sie kämpfen an zwei Fronten: Zum einen für ihre Kinder mit Behinderungen, die zwar theoretisch viele Rechte auf dem Papier haben. Meist müssen diese aber erst vor Gericht erstritten werden. Wir pflegende Eltern fordern deshalb, dass Grundlegendes wie Förderung, pflegerische Versorgung und inklusiver Schulbesuch endlich von der Ausnahme zur Selbstverständlichkeit wird. Auf der anderen Seite werden Eltern selbst cobehindert. Sie erhalten weder einen Lohn für ihre Care-Arbeit, noch kennen sie einen Feierabend oder Urlaubsanspruch. Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege muss verbessert werden. Es braucht pflegesensible Reglungen in der Arbeitswelt, wie zum Beispiel Teilzeitrecht und Pflegekranktage. Viele pflegende Mütter landen gesellschaftlich und wirtschaftlich im Abseits und ihre Gesundheit und Psyche leidet unwiderbringlich. Die Krönung dabei ist – wer sich aktuell Unterstützung holt, wird dafür noch abgestraft. Da beispielsweise bei Hospizaufenthalten das Pflegegeld nicht weitergezahlt wird."

Kampagne: Mehr Sichtbarkeit für pflegende Eltern Mit der Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen „Für uns und unsere Kinder“ startet der Bundesverband wir pflegen e.V. die Kampagne „Pflegende Eltern – Raus aus der Unsichtbarkeit“. Wie sieht der Alltag von Familien aus, die ihre beinträchtigeten Kinder pflegen? Was wünschen sich diese Familien von der Politik? Auf der Webseite des Bundesverbandes erzählen pflegende Eltern in Videos und Texten von ihren Erfahrungen.

Familien-Lesung zu „Auf dem Spielplatz“ am 08.10.2022

Auf dem Spielplatz<< von Nele Junghanns wird uns unsere diesjährige Familien-Lesung am Sa. 08.10.2022 um 14.30Uhr in und um das Naturfreunde Haus Nordheim (Lauffener str. 51, 74226 Nordheim).

„Auf dem Spielplatz“ ist die Geschichte einer Freundschaft- die von Marie und Ben. Die sich auf dem Spielplatz kennen und verstehen lernen. Das Marie nicht selbst sprechen kann ist dabei zwar einen kleinen Herausforderung aber dank Merlin, ihrem Hund, bricht das Eis schnell und die beiden haben viel Spass zusammen. So schön und einfach kann Teilhabe möglich sein!

Wir freuen uns sehr, dass wir die Autorin, Illustratorin und pflegende Mutter Nele Junghanns für unsere Familienlesung gewinnen konnten.
Sie schreibt bereits seit einigen Jahren ihren Blog „Anders glücklich“.

Neben diesen ersten Kinderbuch hat sie inzwischen ein zweites inklusives Bilderbuch gestaltet, das demnächst veröffentlicht wird. Außerdem hat Nele Junghanns einen tollen Beitrag zur Video Kampagne „Pflegende Eltern – Raus aus der Unsichtbarkeit“ beigesteuert.

Es gibt Spiel- und Mitmachangebote für die Kinder und Buchexemplare zum signieren.
Das Naturfreundehaus ist Barriere am (es gibt eine Rampe und ein Wickelzimmer)

Bewirtung mit Kaffee und Kuchen voraussichtlich durch uns, die Naturfreunde und @bohnita_das_kaffeemobil (Pandemie bedingte Änderungen möglich.)

Eine Rezension zu „Auf dem Spielplatz“ findet ihr beim Kinderbuch Blog @kinderbuch_inklusiv (Instagram)

Wir freuen uns sehr auf die Veranstaltung – mehr Infos zur Anmeldung und zum Kartenvorverkauf folgen.